Immer öfter möchten Unternehmen auf agile Methoden umsteigen. Ein neuer Projektmanagementstil ist eine Veränderung, die vor allem auch das Verständnis und die Unterstützung der Mitarbeiter erfordert. Vor allem, wenn im Unternehmen sehr lange ein anderer Führungsstil angewendet wurde, bringt eine Umstellung auf agile Methoden für alle Mitarbeiter:innen große Veränderungen mit sich.

In kleineren Teams fällt die Änderung meist noch leichter als in großen Unternehmen. Doch wie führe ich agile Methoden ein, ohne dabei Gegenwind vom Team zu bekommen?

Das solltest Du unbedingt dabei vermeiden, wenn Du agile Methoden einführen möchtest

In der Praxis sehe ich zumeist zwei Varianten. Da gibt es die einen, die machen es so:

1. Die Führungskräfte in einen 2 Tagesworkshop schicken.

2. Am darauffolgenden Montag mit Scrum starten.

Das kann man so machen. Doch wird diese Methode in den wenigsten Fällen gut gehen. Die Umstellung benötigt Zeit und sollte individuell ans Team angepasst werden. Einfach von einem auf den anderen Tag auf agile Methoden zu wechseln, ohne das gesamte Team einzubinden, kann schnell zu Widerstand und damit deutlich schlechterer Arbeitsleistung führen.

Agile Methoden ohne Gegenwind durch Belegschaft einführen

Erfahrungsgemäß werden Veränderungen von allen Mitarbeiter:innen besser angenommen, wenn auch die Führungskräfte diese vorleben. Nur wenn die Führungskräfte die geforderten Veränderungen auch vorleben, wird das Team diese akzeptieren. Als Führungskraft ist es auch Deine Aufgabe Vertrauen im Team aufzubauen.

Eine offene Kommunikation und Einbeziehung in die geplante Einführung von agilen Methoden trägt zum Vertrauensaufbau bei.  

Schauen wir also auf die zweite Möglichkeit, agile Arbeitsweisen einzuführen:

1. Die Mitarbeitenden von Anfang an einbinden.

2. Gemeinsam überlegen, welche Arbeitsweisen Sinn ergeben.

3. Agile Arbeitsweisen schrittweise einführen.

Darauf kommt es beim agilen Arbeiten an

Die Grundlage agiler Methoden sind Kommunikation und Teamfähigkeit. Diese sollten also auch bereits in der Einführung der agilen Methoden eingesetzt werden. Schließlich ist das Ziel, die Zusammenarbeit und die Effizienz des Teams deutlich zu verbessern.

Die Fragestellung “Wie führe ich agile Methoden ein” kann und sollte entsprechend gleich als ein Projekt betrachtet werden, welches nach agilen Methoden umgesetzt wird. 

Die Veränderung des Arbeits- und Führungsstils benötigt Zeit. Die Mitarbeiter:innen sollten nicht überfordert werden. Deswegen bietet es sich an, die agilen Methoden nach und nach einzuführen. 

7 Bereiche für einen gelungen Veränderungsprozess.

Veränderungen sind für die meisten Menschen erst einmal schwierig. Neue Prozesse und Kommunikationsweisen erfordern es, die eigene Komfortzone zu verlassen. Die Aufgabe als Führungskraft ist es bei der Einführung agiler Methoden jeden einzelnen einzubeziehen und so dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter selbst davon überzeugt sind, dass ihnen die neuen agilen Methoden viel bieten können. 

Die anstehende Veränderung sollte von Beginn an klar an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommuniziert werden. In einem Auftaktmeeting kann die Strategie vorgestellt werden. So ein Startschuss in den Veränderungsprozess wirkt auch motivierend.

Dazu kannst Du Dir und Deinen Mitarbeitenden die folgenden Fragen stellen:

Veränderungen: Räumen wir genügend Platz und Zeit ein, damit Veränderungen stattfinden können?

Vertrauen: Werden die Werte der Organisation gelebt? Werden diese auch von den Führungskräften berücksichtigt?

Teamwork: Arbeiten wir als Team an einer gemeinsamen Sache?

Ziele: Gibt es ein gemeinsames und transparentes Ziel?

Strategie: Ist die Strategie des Unternehmens klar?

Respekt: Behandeln wir andere, wie wir behandelt werden möchten? Machen wir Unterschiede in Bezug auf Religion, Herkunft oder Alter?

Wertschätzung: Werden die Mitarbeitenden als Personen wahrgenommen, die der Schlüssel zum Erfolg sind?

Womit du rechnen musst

Vier Hindernisse tauchen bei fast jeder Einführung auf. Sie sind kein Grund, es zu lassen, aber sie sind ein Grund, sie vorher zu benennen:

  • Einzelne Mitarbeitende wollen die neue Arbeitsweise nicht. Sie kommen mit den bisherigen Methoden gut zurecht und sehen keinen Anlass für eine Veränderung.
  • Die Kultur trägt nicht. Wo eine starre Hierarchie und ein striktes Arbeitsethos herrschen, haben neue Ansätze es schwer, Fuß zu fassen.
  • Der Aufwand für Schulung und Begleitung wird unterschätzt. Er ist real und er kostet Geld.
  • Die vorhandene IT-Landschaft passt nicht dazu und bremst die Umstellung aus.

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Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Viele Organisationen zögern, weil sie Fehler befürchten. Das ist verständlich und selten der eigentliche Grund. Wer wartet, bis alle Bedingungen stimmen, wartet dauerhaft, denn die Bedingungen ändern sich schneller, als die Vorbereitung fortschreitet.

Auf die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt gibt es deshalb eine kurze Antwort: sobald das Problem benannt ist, das die Veränderung lösen soll. Vorher fehlt der Maßstab, an dem sich später beurteilen lässt, ob es besser geworden ist. Danach kostet jeder weitere Monat Glaubwürdigkeit, weil alle die Reibung längst kennen.

Daraus folgt auch die wichtigste Regel für den Start: Eine Umstellung, die nur mit sich selbst begründet wird, erzeugt zuverlässig Widerstand. Eine, die auf eine bekannte Reibung antwortet, muss niemandem verkauft werden.

Wie überzeugst du dein Team?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht, jedes Team hat andere Bedenken. Drei Dinge tragen aber fast immer.

Den Einstieg klein halten

Die wenigsten Menschen lehnen Veränderung grundsätzlich ab. Sie lehnen Aufwand ab, dessen Nutzen sie nicht sehen. Zeige deshalb zuerst die eine Reibung, die verschwindet. Nicht das gesamte Zielbild.

Das gilt auch für den Zuschnitt: Beginne mit einem Bereich oder einem Vorhaben, sammle dort Erfahrungen und rolle erst danach weiter aus. Was in einem Team nicht trägt, trägt in zehn Teams erst recht nicht. Es fällt nur später auf und ist dann teurer zurückzunehmen.

Bedenken ernst nehmen

Hinter Widerstand steht meistens eine konkrete Sorge: um die eigene Rolle, um Kompetenzen, die künftig weniger zählen, um Einfluss. Frage danach, bevor du argumentierst. Eine ausgesprochene Sorge lässt sich klären, eine unausgesprochene wirkt weiter.

Unterstützung anbieten

Neue Arbeitsweisen bedeuten für einige, dass sie eine Zeit lang schlechter in dem sind, was sie bisher gut konnten. Wer das offen anspricht und Begleitung anbietet, nimmt der Umstellung einen großen Teil ihrer Bedrohlichkeit.

Und sag, was sich ändert

Zeichne ein konkretes Bild in drei Teilen: So ist es bisher. So soll es nach der Veränderung sein. Das passiert, wenn wir den Schritt nicht gehen. Damit transportierst du Umfang, Nutzen und Grund in einem Zug.

Fazit

Für die Frage “Wie führe ich agile Methoden ein” gibt es keine pauschale Lösung. Wichtig ist es, individuell auf die bestehenden Gegebenheiten und das jeweilige Unternehmen und Team einzugehen. Auch Stolpersteine bei der Einführung müssen individuell bewältigt werden.

Ein kleines Team in einem jungen Start-up wird agilen Methoden von Beginn an deutlich aufgeschlossener gegenüber stehen, als ein großes Team (oder gar mehrere) in einem Unternehmen, welches seit langer Zeit mit klassischen Führungsmodellen agiert.

Die Einbindung aller Beteiligen von Beginn an sorgt für größere Akzeptanz und somit für ein erfolgreicheres Einführen der agilen Methoden.

Hilfreich kann auch die Einführung agiler Arbeitsweisen durch die ALPEN-Methode sein!

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Häufige Fragen

Wie führt man agile Methoden erfolgreich im Unternehmen ein?
Erfolgreiche Einführung beginnt mit einem Piloten: ein Team, ein klar abgegrenztes Projekt, ausreichend Schulung und Management-Rückendeckung. Nach dem Piloten werden Erkenntnisse gesammelt, der Ansatz angepasst und dann schrittweise auf weitere Teams ausgerollt.
Welche agile Methode sollte man zuerst einführen?
Scrum ist für viele Teams ein guter Einstieg, da es klar strukturiert ist und schnell Ergebnisse liefert. Kanban eignet sich besonders für Teams im Betrieb oder Support. Für erste Gehversuche sind auch einfachere Elemente wie Retrospektiven oder Stand-ups ein niedrigschwelliger Einstieg.
Wann gilt die Einführung agiler Methoden als gescheitert?
Wenn agile Events zur Pflichtübung werden, Teams nur so tun als ob, Management die Erkenntnisse nicht umsetzt oder die Methode nach kurzer Zeit still begraben wird. Zeichen des Scheiterns sind: sinkende Beteiligung, Retrospektiven ohne Maßnahmen und zunehmende Frustration im Team.

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