Wenn alles gleichzeitig wichtig scheint, ist Nichtstun keine Option. Sollte es aber gerade dann sein. Denn mehr Druck, mehr Leistung, mehr Output funktioniert so nicht. Wer ständig unter Strom steht, wird nicht besser, sondern langsamer, unkonzentrierter und ungeduldiger.
Wahre Produktivität entsteht nicht durch Daueraktivität, sondern durch gezielte Pausen.
Was im Kopf passiert, wenn wir nichts tun
Neurowissenschaftlich betrachtet ist „Nichts tun“ alles andere als Stillstand. Sobald wir den Fokus loslassen, schaltet das Gehirn in ein anderes System: das Default Mode Network (DMN). Dieses Netzwerk aus verschiedenen Hirnregionen ist aktiv, wenn wir Tagträumen, gedanklich abschweifen oder einfach aus dem Fenster sehen.
Das DMN verarbeitet Informationen, verbindet Erinnerungen und erkennt Zusammenhänge, die im Arbeitsmodus verborgen bleiben. So entstehen neue Ideen, bessere Lösungen und klarere Einsichten, genau dann, wenn wir vermeintlich „nichts“ leisten. Viele kennen das: die besten Ideen entstehen oft unter der Dusche oder beim Spazieren gehen.
Der britische Neurowissenschaftler Joseph Jebelli beschreibt in seinem Buch “The Brain at Rest”, dass schon 30 Minuten bewusste Ruhe pro Tag die Gehirnleistung nachweislich verbessert. Regelmäßige Pausen aktivieren das DMN, stärken Gedächtnis, Kreativität, Empathie und können sogar das Risiko für Depressionen und Demenz senken.
Warum Pausen mehr bringen als Perfektionismus
Führungskräfte neigen jedoch dazu, Nichtstun als Faulheit anzusehen. Wer permanent arbeitet, wirkt engagiert, doch genau das schwächt langfristig Konzentration, Entscheidungsfähigkeit und emotionale Stabilität.
Jebelli fand heraus, dass Überarbeitung das Gehirn messbar schrumpfen lässt, insbesondere im Frontallappen, der für Planung und Selbstkontrolle zuständig ist. Menschen, die regelmäßig Pausen oder kurze Nickerchen einlegen, besitzen dagegen ein größeres Gehirnvolumen – etwa 15 Kubikzentimeter mehr, das entspricht der Größe einer kleinen Pflaume.
Kurz gesagt: Ruhe erhält das Gehirn jung. Und sie macht Führung langfristig klüger.
So baust du echte Pausen in deinen Alltag ein
Jede Theorie ist schön, aber wie funktioniert das, wenn der Kalender überquillt? Sich bewusste Pausen nehmen heißt nicht ab jetzt jeden Tag stundenlang zu meditieren. Es geht um bewusste Mikromomente, die das Gehirn entlasten.
Hier sind einige Tipps, die sich auch in den hektischen Arbeitsalltag einer Führungskraft einbauen lassen
- Wechsel zwischen Fokus und Leerlauf
Plane nach 60 bis 90 Minuten intensiver Arbeit fünf Minuten bewusste Ruhe. Kein Handy, keine E-Mails, kein Scrollen. Nur atmen, aus dem Fenster schauen oder kurz die Augen schließen. - Denkpausen vor Meetings
Nutze den Übergang von einem Thema zum nächsten, um dich zu „resetten“. Wer sich eine Minute Leerlauf gönnt, geht wacher und lösungsorientierter ins Gespräch. - Bewegung statt Multitasking
Nutze Spaziergänge ohne dabei Musik oder Podcast zu hören oder zu telefonieren. Schon 10 Minuten Gehen im Grünen aktivieren das Default Mode Network und bringt oft die besten Ideen. - 30 Minuten Ruheblock täglich
Egal, ob nach dem Mittagessen oder am Abend: Schaffe dir täglich eine feste halbe Stunde für echte Ruhe. Kein Medienkonsum, keinerlei Input. Nur Nichtstun. Dies ist keine Faulheit, sondern aktive kognitive Regeneration. - Teamkultur der Pausen fördern
Sprich offen mit deinem Team über die Bedeutung von Pausen für die eigene Leistungsfähigkeit. Wenn die Führung sichtbar entschleunigt, folgt das Team. Erholung ist ansteckend.
Fazit
Moderne Führung bedeutet, die eigene Energie zu steuern – nicht sie zu verbrennen.
Pausen sind kein Luxus, sondern eine strategische Ressource. Sie schützen das Gehirn, fördern Kreativität und halten Entscheidungen klar.
Häufige Fragen zum Thema Pausen und Gehirnleistung
Warum hilft das Default Mode Network bei Kreativität?
Weil es Gedanken frei verknüpft, ohne äußeren Fokus. In dieser Phase entstehen neue Kombinationen – die Grundlage jeder Innovation.
Wie lange sollte man pausieren?
Schon 2–5 Minuten bewusster Leerlauf aktivieren das DMN. Optimal sind 30 Minuten Ruhe pro Tag, aufgeteilt in kurze Einheiten oder als längerer Block.
Was gilt nicht als echte Pause?
Social Media, Nachrichten oder private To-dos aktivieren weiterhin das Arbeitsnetzwerk im Gehirn. Echte Ruhe bedeutet: keine Ablenkung, kein Input.
Wie kann ich das im Team umsetzen?
Indem du Pausen sichtbar vorlebst. Zum Beispiel, indem du in Meetings kleine Reflexionsmomente einführst oder zwischen zwei Terminen bewusst keine Nachbesprechung einplanst.



